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Tai Chi - ganz exakt Tai Chi Chuan genannt - ist in den letzten Jahrzehnten auch im Westen immer bekannter und beliebter geworden. Tai Chi oder "Schattenboxen" stammt aus China und ist dort der Gesundheitssport Nr. 1. Andere Schreibweisen sind "T'ai Chi Ch'uan, Taiji, Taijiquan, Tai Ji Quan". In einer langen Reihe von Ganzkörperbewegungen wird bei dieser traditionellen chinesischen Kampfkunst Entspannung und tiefe Bauchatmung kombiniert. Eine eher seltene Bezeichnung ist "Schattenboxen".
Tai Chi Chuan beruht auf dem Taoismus und bedeutet "Höchstes Prinzip" einem Begriff der Philosophie des Ying und Yang. Tai Chi ist eine chinesische innere Kampfkunst (Wushu/ Kungfu). Besonders verbreitet ist das Yang Stil Tai Chi/ Taijiquan. Heute sieht man Tai Chi eher als "Entspannung in Zeitlupe" und übt es wegen seiner gesundheitlichen Auswirkungen.
Ziel des Tai-Chi-Treibens ist neben der Gesundheit, Meditation und Kampfkunst ein mit der Tai Chi Philosophie verbundenes Ziel: Das Erkennen des Tao, der höchsten Einheit, die hinter dem Wirken gegensätzlicher, sich ergänzender Prinzipien stehen. Dies ergibt sich auch aus dem Namen: Tai Chi Chuan heißt "Kampfkunst gemäß dem höchsten Prinzip" oder "Durch Ausüben der Kampfkunst das höchste Prinzip erfahren".
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Die 10 Prinzipien des Yang Chengfu

1) Den Kopf gerade aufrichten
Der Grundgedanke ist, dass der Kopf sich streckt, sodass der Nacken gerade wird. Dies soll natürlich vor sich gehen und darf nicht erzwungen aussehen. Der Blick geht geradeaus und soll nicht starr oder „tot“ wirken. Es ist als ob man etwas auf dem Kopf balancieren würde. Im Kopfbereich und besonders im Blick kann sich dann der Wille oder Geist (“spirit”) manifestieren. Der Mund bleibt auf eine natürliche Art geschlossen. Die Zunge wird nach oben gebogen, sodass die Zungenspitze hinter die oberen Zähne zu liegen kommt. Auch dies soll nicht übertrieben werden, sondern sich auf eine natürliche Art einstellen. Bei abwärts stoßenden Bewegungen wie etwa „Nadel in den Meeresboden“ folgen Blick und Kopf der Bewegungsrichtung.

2) Die Ruhe in der Bewegung
Tai Chi ist Meditation, eine “Stille-Übung”, wie man im Osten sagt. Das „Qi“ (Lebensenergie, Atem) soll in das „Dantien“ (Unterbauch, Kraftzentrum) sinken. Als gewünschte Folge stellt sich ein stabilisierendes Gleichgewicht ein sowie eine ruhige, stetige Atmung. In dem Bewegungablauf ohne körperliche Anstrengung und Anspannung wird auf schonende, natürliche Art die Atmung harmonisiert, intensiviert und angepaßt. Diese „Bauchatmung“ soll als voll und angenehm empfunden werden und sollte nicht passend zum Rythmus der Bewegungen „gemacht“ oder erzwungen werden. Bei genügender Praxis wird sie sich „von selbst“ einstellen. Sie läßt sich für Anfänger besonders leicht bei der Eröffnung üben: Beim Heben der Arme wird eingeatmet und beim Senken aus. Zudem wird die „geistige Mitte“, das innere Gleichgewicht auf eine heiter-gelassene Art gestärkt: Man schafft ein unerschütterliches Bewußtsein, Offenheit und Flexibilität – und stellt sein eigenes Ego in den Hintergrund. Es geht um die Beruhigung der Emotionen. Vorbild ist eine ruhige Wasseroberfläche, die alles unverfälscht widerspiegelt.

3) Die Schultern, Ellbogen und Handgelenke senken
Dieses Prinzip hilft nachhaltig, den häufig zu beobachtenden Fehler zu vermeiden, dass man unbewußt die Schultern anhebt und anspannt. Das Tai Chi wird dadurch kraftlos und die Bewegung ist keine Ganzkörperbewegung mehr. Bei den Ellbogen ist zu beachten, dass sie weder allzu passiv hängen gelassen werden noch zu steif nach außen gedreht werden. Oft äußert sich diese „Steifheit“ auch in der Haltung der Handflächen, des Handgelenks und der Finger und mindert so auch die Wirksamkeit als Kampfkunst beim Stoßen und Greifen.

4) Die Brust senken – Rücken dehnen
Der Brustkorb soll auf natürliche Weise gehalten werden, d.h. weder künstlich herausgestreckt noch zu sehr nach innen eingesunken sein. Auf diese Weise können sich die Schultern frei bewegen. Im Rücken soll sich ein rundes und gleichzeitig gestrecktes Gefühl einstellen: Von der Hüfte aufwärts kann so die innere Kraft aus der Wirbelsäule bis in die Finger aufsteigen und es kommt zu der angestrebten Ganzkörperbewegung. Meister FU sagt: „Wie eine Katze vor dem Sprung auf die Maus…“

5) Das Kreuz entspannen
Dieses Prinzip wird als das wichtigste angesehen! Ein entspanntes Kreuz sorgt für eine stabile, zentrierte Körperbasis und verleiht die angestrebte innere Spannkraft. Bei angespanntem Kreuz kann das Qi nicht sinken und die Kraft kann nicht übertragen werden. Hilfreich ist das Massieren des “Mingmen”.

6) Die Leere und Fülle unterscheiden
Dieses Prinzip behandelt das für Tai Chi typische Verlagern des Körpergewichts auf lediglich ein Bein. Dies ermöglicht ja erst die anmutigen, fließenden Schrittfolgen – besonders wenn sie, wie gefordert, in Zeitlupe ausgeführt werden. Dabei wird das belastete Bein als voll und das unbelastete als leer bezeichnet. Ihr stetig wechselndes Zusammenspiel ist ein wichtiger Aspekt der Yin-Yang-Theorie, die dem Tai Chi zugrundeliegt. Viele Zusatzpunkte gehören hierher, z.b. die Fußhöhlung und das Nachaußendrücken der Knie.

7) Inneres und Äußeres verbinden
Der Körper repräsentiert das Äußere. Es soll mit dem Inneren eine harmonische Einheit bilden. Mit dem Inneren ist der Geist, das Bewußtsein gemeint und insbesondere die ruhig-konzentrierte Absicht, die vorgeschriebenen Bewegungen auszuführen. Die Kultivierung des Willens ist somit ein zentraler Punkt. Der Geist führt und der Körper führt aus, ohne dass sozusagen ein Haarbreit dazwischen liegt. Hier zeigt sich die ursprüngliche Verbindung des Tai Chi zur Kampfkunst, wo es um Leben oder Tod ging. Das Innere soll sein wie ein verborgenes Schwert. Anders formuliert: Der Ausführende sollte ganz bei der Sache sein, mit Ernst und Hingabe wie ein guter Schauspieler (Vergleich von Yang Zhenduo).

8) Kraft des Geistes statt Körperkraft
Es geht beim Tai Chi nicht um den Einsatz bloßer, ungeschulter Körperkraft, denn diese führt zu steifen Bewegungen, sondern es geht um die Nutzung der Qi-Energie, die in den Meridianen im entspannten Zustand am besten fließen kann und mithilfe des Geistes kontrolliert und kanalisiert werden soll. Dieser gelöste und entspannte Zustand darf jedoch, so betont Yang Zhenduo immer wieder, nicht mit Schlaffheit verwechselt werden! Die „innere Kraft“ soll vielmehr mit einem dosierten Maß von Muskelkraft kombiniert werden. Dies wird erst durch vieles und intensives Üben voll entwickelt und ist dem Schmieden und Härten von Stahl vergleichbar. Man sagt: „Die Arme sind wie Eisen in Watte verpackt“. Die Sehnen, Knochen und Muskeln müssen dabei koordiniert in einer Ganzkörperbewegung ähnlich einer Meereswoge oder einem prallen Ballon zusammenwirken.

9) Unten und oben des Körpers koordinieren
Anfänger begehen oft den Fehler, dass sie zwar die Arme langsam und gleichmäßig bewegen, aber bei den Schritten abrupte oder schnellere Bewegungen ausführen. Dies macht jedoch die geforderte Ganzkörperbewegung unmöglich. Hilfreich ist hierbei die genaue Berücksichtigung der Hüftbewegung. Die Wurzel der Bewegung liegt in den Füßen und soll über die Hüfte und die Wirbelsäule in die Arme gehen. Sie zeigt sich in den Händen! Hilfreich ist hier auch die Vorstellung der “Sechs Harmonien”.

10) Bewegung ohne Anfang und Ende
Bei anderen Kampfkünsten sind Beginn und Ende einer Technik oft klar erkennbar. Klar festgelegt sind sie auch beim Tai Chi, nur werden sie in einer steten Bewegungsfolge ausgeführt entsprechend einem langsam strömendem Fluß oder einem Kreis, der nicht endet. Sie verschmelzen zu einer Einheit, als würde man einen langen Seidenfaden aus einem Kokon ziehen. Die Endpunkte der Tai-Chi-Figuren sind also ideell und dauern nur „ein Blitzlicht“ lang, ohne dass es tatsächlich zu einem Anhalten kommen soll.



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